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Umfrage unter Alumni der Hörfunkschule

Zwischen Kurzarbeit und Digitalisierung

Anrita1705 / Pixabay

Seit über zwei Monaten beschäftigt uns #Corona nun schon intensiv. Lockdown und Kontaktbeschränkungen hatten und haben Auswirkungen auf uns alle – und auch im Journalismus hat sich #Corona bemerkbar gemacht. Wie erleben unsere Alumni #Corona im Job, welche Auswirkungen hat die Pandemie auch langfristig? Viele der Ehemaligen der Hörfunkschule Frankfurt berichten von einem veränderten Arbeitsalltag, aber auch von Kurzarbeit und Sparzwang.

Mit einem Mal war er tatsächlich da, der Lockdown. Und das sorgte für viele unserer Alumni von heute auf morgen für einen komplett anderen Arbeitsalltag. Homeoffice war angesagt – viele arbeiten heute noch immer zumindest teilweise von zu Hause aus. Anna Fazlic ist Teamleiterin vom Webteam hr3.de & you-fm.de und sie sagt: „Die ersten drei Wochen waren ziemlich anstrengend, da sich alles erst Mal umstellen und einruckeln musste. Der hr war nicht von Beginn an auf Homeoffice so vieler Leute eingestellt, daher hat zunächst jedes Team mit anderen Tools kommuniziert (Sype, Facebook, Whatsapp, Zoom...). Dann hat sich aber relativ schnell MS Teams als hr-Tool etabliert, worüber jetzt unsere hauptsächliche Kommunikation abläuft: Meetings, Calls, Redaktions-Konferenzen, Videopräsentation usw.“

„Jetzt erst Recht-Stimmung“

Für die Mitarbeiter war das eine riesen Umstellung – aber auch für die Medienunternehmen. Alte Strukturen neu denken. Wie kommen die O-Töne von zu Hause in den Sender? Wie kommunizieren wir? Jan Ackermann hat diese Zeit sehr positiv erlebt. Er ist Redakteur und Reporter für hr1 und hr4 mit dem Schwerpunkt: On Air-Promotions. „In meinem Team erlebe ich große Motivation und Flexibilität. Es ist eine Art "jetzt erst Recht-Stimmung“. Wir alle haben das Gefühl, dass wir gerade jetzt in der Krisensituation glänzen müssen und das motiviert, mit der ungewohnten Situation besonders professionell umzugehen.“

Desinfizieren als neuer Handgriff

Ein Reporter lebt eigentlich davon, unterwegs zu sein, mit Menschen zu sprechen. Er muss nah dran sein. In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und dem Aufruf #stayathome keine einfache Sache, berichtet auch eine Redakteurin, die lieber anonym bleiben will: „In dieser Zeit galt auch: nur wirklich notwendige Termine vor Ort wahrnehmen, mit entsprechender Ausrüstung (Angel, Plastiktüte für den Mikropömpel, Maske) - das gilt natürlich nach wie vor.“

Benjamin Müller, hr-Regionalkorrespondent im Kreis Limburg-Weilburg hat sich bewusst gegen die Plastiktüte für den Mikrofon-Aufsatz entschieden – aus akustischen Gründen. Daher gehört Desinfizieren für ihn jetzt nach jedem Interview zu seinen neuen Handgriffen. Benjamin stellt fest: „Meine Arbeit wird durch Corona weniger spontan und intuitiv.“ Denn vor dem eigentlichen Interview gehe er immer erst seine Liste durch: alle Sicherheitsaspekte bedacht? „Anfangs dachte ich, der Kontakt zu Interviewpartnern wäre distanzierter und die Qualität der O-Töne könnte darunter leiden, das ist aber nicht so. Ich bekomme durch die besondere Situation immer noch einen sehr direkten Draht zu den Menschen, da gibt es keinen Unterschied“, fährt Benjamin weiter fort.

„Untergangsstimmung ging um“

Viele Branchen sind durch die Corona-Beschränkungen hart getroffen. Auch die Medienunternehmen erleben finanzielle Einbrüche, aber einige können die Einbußen durch Werbeeinnahmen besser abfedern als andere. So ist auch das Bild bei unserer Alumni-Befragung gemischt. Ein Volontär eines Lokalsenders, der lieber anonym bleiben will, berichtet von drastischen finanziellen Einbußen: „Corona hat unseren Sender hart eingetroffen. Die Werbeblöcke waren zeitweise komplett leer und viele Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt. Manche sind sogar komplett auf Eis gelegt und bis heute noch nicht wieder hier. Wir mussten große Events absagen und es ging ein wenig Untergangsstimmung um.“

Eine Redakteurin schreibt hingegen: „Ich bin nicht in Kurzarbeit oder Ähnliches, auch sonst hat Corona mich bisher finanziell nicht beeinflusst.“ Auch Jan Ackermann hatte bislang noch keine Einbußen: „In einem so großen Unternehmen wie dem hr hat natürlich nicht jede und jeder das Glück, ohne Einschnitte durch die Krise zu kommen. In den Radioprogrammen sind Einschnitte aber bisher noch kein Thema.“

Das Gleiche liefern – aber für weniger Geld

Anders sieht es bei Timo Pape aus. Er ist Gründer und Geschäftsführer des Nachrichtenportals e-Formel.de und berichtet: „Die Automobilbranche wurde wirtschaftlich hart getroffen von COVID-19. Das betrifft somit auch den Motorsport. Einerseits finden derzeit keine Sportveranstaltungen statt, was die Klickzahlen runterzieht. Andererseits müssen Anzeigenkunden aus der Branche ihre Werbebudgets zusammenhalten. Der Newsflow ist trotzdem genauso da wie vor der Krise. Wir müssen also das Gleiche liefern wie zuvor, verdienen dabei aber weniger.“

Diesen Effekt haben viele Medienunternehmen bemerkt. So berichtete Charlotte Schönberger, Redakteurin beim Spiegel, in unserer Videokonferenz „Nach der Corona-Krise die Medienkrise – Lohnt sich noch ein Start in den Journalismus?“ von enorm gestiegenen Klickzahlen. Als Beispiel nennt sie das digitale Angebot Spiegel Plus. Im Vergleich zum Vorjahresmärz habe sich der Traffic um 81 Prozent erhöht. Trotzdem habe es auch beim Spiegel Kurzarbeit gegeben – wenn auch nicht im redaktionellen Bereich.

Timo Pape sieht trotz allem positiv in die Zukunft: „Diese harte Zeit müssen wir jedoch alle durchstehen, jeder mit seinen eigenen Schwierigkeiten. Es geht sicher bald wieder bergauf, Schritt für Schritt.“ Viele Medienunternehmen straucheln, aber sie kommen mit „einem blauen Auge davon“. Eine Redakteurin denkt aber daran, was passiert, wenn die Infizierten-Zahlen wieder steigen würden: „Ich hoffe nicht, dass es eine große zweite Welle gibt. Sonst könnte sich die Medienlandschaft in ihrer Vielfalt sehr verändern.“

Zwang zur Improvisation, Teamarbeit und Kommunikation

Die ersten Wochen des Lockdowns sind überstanden, Nach den ersten Lockerungen kehren einige Redaktionen wieder zurück in die Medienunternehmen, verringern die Schichten im Homeoffice. So schreibt der Volontär eines Lokalsenders: „Die Redaktion arbeitet jetzt in einem Schichtsystem, das so ausgelegt ist, dass sich die Schichten nicht begegnen. Heißt konkret: halber Tag Homeoffice, halber Tag Redaktion/Moderation.“

Andere Redaktionen sind zögerlicher, belassen ihre Mitarbeiter lieber noch zu Hause. Vielleicht auch, weil es so gut geklappt hat mit dem Homeoffice? So schreibt Jan Ackermann, hr1: „Unser Team mit On Air-Promotion, Social Media- und Onlineredaktion von hr1 und hr4 arbeitet derzeit komplett von zuhause aus.“ Das bedeute viel untereinander chatten und „Videofonieren“, so Jan weiter: „Was hat sich also verändert? Der komplette Alltag! Die Umgebung, die völlig andere Selbstorganisation, der Zwang zur Improvisation, die Teamarbeit, die Kommunikation.“

Soziale Kontakte fehlen

Aber Arbeit ist ja nicht nur Arbeit – es ist auch ein Miteinander mit den Kollegen. Und die fehlen natürlich im Homeoffice, sagt Anna Fazlic: „Ich merke, dass der private und persönliche Austausch über Telefon schon geringer geworden ist als wenn man gemeinsam Mittagessen geht und sich beim Kaffee über das Wochenende unterhält. Diese Gelegenheiten für privaten Smalltalk gibt es nicht mehr so.“

Und selbst wenn nicht mehr jeder Mitarbeiter im Homeoffice ist, in den Redaktionen und Medienunternehmen heißt es ja trotzdem noch: Abstand halten. Das bemerkt auch Christian Krull, Group Account Director bei der Werbe- und Marketingagentur BBDO Berlin: „Auch jetzt ist es noch ungewöhnlich, wieder langsam zurückzukehren. Wir arbeiten zwar im selben Gebäude und unterhalten uns dennoch weiterhin über Videokonferenzen.“

Deshalb heißt es für viele kreativ zu werden, berichtet Anna: „Daher haben wir im Team z.B. auch versucht, uns mal auf ein Feierabendgetränk nach der Arbeit zu verabreden via Videoschalten, um bewusst mal über anderes als die Arbeit zu sprechen. Das ist natürlich nicht so wie ein echtes Treffen, aber zumindest etwas.“

Auswirkung auf Nachwuchsjournalisten

Das Praktikum vorzeitig beendet oder gar gestrichen – für junge Menschen, die erst noch im Journalismus durchstarten wollen wirkt die Corona-Pandemie wie eine Bremse. Aber auch wer schon eine Ausbildung ergattern konnte, ist verunsichert, wie der Volontär eines Lokalsenders: „Ich mache mir auch ziemlich Sorgen, da mein Volo bald endet und ich jetzt befürchte, wegen der wirtschaftlichen Lage nirgends unterzukommen.“ Diese Einschätzung scheint nicht falsch zu sein, denn auch große Sender verzichten auf neue Stellenausschreibungen oder verlängern Verträge unter Umständen nicht.

Netzwerken entfällt

Anna Fazlic, Teamleitern des Webteams hr3.de & you-fm.de, sagt auch, dass das Netzwerken durch Corona wegfalle: „Gerade, wenn es um die berufliche Weiterentwicklung geht, kann man so nicht einfach mal mit anderen Redaktionen essen gehen, sich austauschen und mal hospitieren - wie es sonst eher möglich wäre.“

Das scheinen düstere Aussichten zu sein für junge Journalisten. Aber auf den beiden bisherigen Corona-Videokonferenzen, kam bei den meisten Referenten durch: Wer gut ausgebildet ist, wer technisch affin ist und sich anbietet und gut verkauft, der wird auch weiterhin unterkommen – denn es gibt ja das Bedürfnis nach gut recherchierten Meldungen und Qualitätsjournalismus. Auch Alisa Schmitz, Redaktionsvolontärin beim Hessischen Rundfunk sieht in der Corona-Krise eine Chance „für Jungjournalistinnen und Jungjournalisten als Möglichkeit, sich einzubringen und neue Ideen, auch technisch, schneller in die Medienhäuser zu bringen.“

Mehr Flexibilität in Zukunft?

#Corona kam schnell über uns und wird uns wohl noch lange beschäftigen. Was wird das langfristig mit dem Journalismus machen? Anna Fazlic denkt, dass die Unternehmen zwangsläufig ins Umdenken kommen, was die Möglichkeiten von Mobile oder Home Office angehe: „Ich hoffe, dass Mitarbeiter*innen zukünftig einfach mehr Flexibilität angeboten wird, dass man selbst entscheiden kann, wann man in den Funk muss und was man gut mobil erledigen kann. Man sollte sich zukünftig eher fragen: Gibt es einen guten Grund, diese Arbeit vor Ort zu erledigen? Und nicht anders herum.“

Jan Ackermann von hr1 findet es schwierig, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Auch ohne Corona-Krise sei die Branche im Wandel, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Besonderen. Deshalb sagt Jan: „Die Krise kann dabei Veränderungen behindern, vor allem den Kostendruck noch intensivieren, uns aber auch neue Dinge lehren. Flexibilität ist in unserem Job sowieso schon mehr denn je gefragt. Und gerade wer jetzt flexibel und professionell an die Sache herangeht, kann auch glänzen. Dafür sind die Chancen vielleicht sogar besser denn je. Ich blicke daher durchaus optimistisch in die Zukunft.“

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